Antrag Stadtbaum

9. Juni 2021

Antrag Bd. 90/Die Grünen Wir  beantragen  die  nachfolgenden  Ergänzungen  in  die  Verwaltungsvorlage  „Stadtbäume Moers-Zustandsbericht und Handlungsrahmen“ aufzunehmen. Ziele bleiben Erhalt, Wieder-herstellung und Erweiterung des Straßenbaumbestands in der Stadt Moers sowie Bereitstel-lung der notwendigen personellen Ressourcen. 

Begründung
Der geringe Straßenbaumbestand ist nicht naturgegeben, sondern für Moers leider sehr ty-pisch. Insbesondere bei Grundsanierungen von Straßen wie z.B. im Kanalbausanierungsge-biet Kapellen, auf der Römerstraße und anderen wurden/werden Chancen vergeben. Wir stel-len fest, dass bei den mit Aufwand und hohen Kosten versehenen Maßnahmen Stadtbäume als Gliederungs- und Klima-relevante-Elemente kaum eine wesentliche Rolle spielen, bzw. außer Acht gelassen wurden und werden. Nach BauGB besteht die Pflicht zur Klimaanpassung. Den kostengünstigsten Faktor für die Klimaanpassung und ein gesundes Stadtklima stellen vitale leistungsfähige Baumbestände dar.  Konzepte wie die in der Vorlage erwähnten “Bäume auf Zeit” würden zu einer pflichtwidrigen Ausführung von Baumaßnahmen zu Lasten der Leistungsfähigkeit des Stadtbaumbestandes für die urbane Gesundheit gehen. Dies verstößt gegen die Gemeindeordnung NRW. Bäume nicht fachgerecht anzupflanzen, so dass sie bereits in oder zum Ende ihrer Jugendphase der-art vergreist sind, dass Ihre Stand- und Bruchsicherheit nicht mehr gewährleistet ist, kostet sehr viel Geld. Solche Bäume leisten weder einen stadtklimatischen noch ästhetischen Beitrag zum Gemeinwohl.  Um einen finanziellen und personellen Mehraufwand in den beschriebenen Dimensionen lang-fristig und nachhaltig zu gewährleisten, sind baumfachliche Baubegleitungen in der Zukunft zwingend erforderlich. Der Rat beschließt: 

 

1.  Wiederherstellung des Straßenbaumbestandes

Für die Wiederherstellung des Bestandes an Straßenbäumen (Stand 2020) werden ins-gesamt 930.000 € zur Verfügung gestellt. Die Summe ist ab dem Jahr 2022 auf 5 Jahre zu jeweils 186.000 € zu verteilen und im Haushalt einzuplanen, um eine kontinuierli-che  Nachpflanzung  der  bereits  fehlenden  Straßenbäume  bewerkstelligen  zu  können. 

NEU: ImRahmen von Straßensanierungen und Neubauerschließungen wird das Regel-werk FGSV 232 (Hinweise zur Bepflanzung in bebauten Gebieten der Forschungsgesell-schaft Straßen und Verkehr, 2006) zur Anwendung gebracht und im erweiterten Wurzel-raum unter den versiegelten Oberflächen sämtliche Schadverdichtungen aufgelöst und als überbaubare Vegetationstragschichten (FLL-Bautyp 2) gemäß DIN 18915 fachgerecht wiederhergestellt. Die Kosten der erforderlichen Tiefbauarbeiten zur Beseitigung nicht fachgerechter Bauweisen gehen nicht zu Lasten der Pflanzungskosten.

 

2.  Erhalt des Straßenbaumbestandes durch jährliche Nachpflanzung:     

Für die Nachpflanzung der zukünftig voraussichtlich erhöhten Ausfälle von Straßenbäu-men werden jährlich ab dem Jahr 2022 neben dem dafür bereits vorgesehenen Festwert (aktuell: ca. 52.000 €/Jahr) zusätzlich Mittel in Höhe von ca. 128.000 € pro Jahr im Haus-halt eingeplant. NEU: Neben dem zahlenmäßigen Erhalt werden insbesondere auch die wesentlich leistungsfähigeren Altbäume bei Straßenbaumaßnahmen durch eine baum-fachliche und vegetationstechnische Baubegleitung gemäß FGSV und FLL-Fachbericht (Verkehrsflächen mit Baumbestand, 2019) erhalten und revitalisiert. Unvermeidbare Er-satzpflanzungen  werden  ausschließlich  in  fachgerecht  hergestellten  Pflanzgruben  ge-pflanzt.  

 

3.  Bestandserweiterung Bäume (Maßnahmenplan Klimanotstand):     

Als Maßnahme gegen den Klimanotstand wird der Baumbestand im öffentlichen Grün um ca. 200 Bäume pro Jahr erweitert. Hierfür werden weitere 300.000 € pro Jahr ab dem Jahr 2022 im Haushalt eingeplant. 

NEU: Für eine möglichst nachhaltige und leistungsfä-hige Ergänzung des Stadtbaumbestandes sind die Standorte ggf. von Schadverdichtun-gen zu befreien und fachgerecht aufzubereiten. Nutznießer der Ergänzungspflanzungen sollen im Wesentlichen schutzbedürftige Kinder in ihren Aufenthalts- und Spielbereichen der Bildungseinrichtungen und öffentlichen Parkanlagen sowie die Senioren in den Au-ßenanlagen öffentlicher Begegnungsstätten und im Umfeld von Erholungsbänken in Park-anlagen sein

NEU: Dafür soll eine differenzierte Anzahl des Baumbestandes nach den wesentlichen Nutzungsarten wie Straße, Bildungseinrichtungen, Spielplätze, Grünanla-gen, sonstiges Immobilienvermögen, sollte aus dem GRIS bereitgestellt und einem jährli-chen Monitoring unterzogen werden.  


4.  Bereitstellung der notwendigen personellen Ressourcen für die Planung und Abwick-lung der   Baumpflanzungen:  

Die  Verwaltung  wird  beauftragt,  eine  zusätzliche  Planstelle  (aktuell  kalkuliert  mit  ei-nem Stellenanteil von 0,5) für den vergrößerten Umfang an Planungsleistungen und den erhöhten Aufwand für die Abwicklung der Baumpflanzungen ab dem Jahr 2022 zu schaffen. 
NEU: Die personelle Aufstockung geht mit einer regelwerkskonformen Anpassung der Tiefbaustandards bei allen Baumaßnahmen einher. Die Fortbildungsbedarfe werden von der Verwaltung organisiert und die Umsetzung erfolgt durch die ENNI AöR.  5.  Prüfung des Kooperationsvertrages hinsichtlich der Baumnachpflanzungen als Unterhal-tungsaufgabe: Die Verwaltung und ENNI AöR werden beauftragt gemeinsam zu prüfen, unter wel-chen Bedingungen die jährlichen Nachpflanzungen von Bäumen durch ENNI Stadt und Service im   Rahmen   einer   Anpassung   des   Kooperationsvertrags durchführbar wä-ren.  6.  Baumspendenportal:  Die Verwaltung wird mit der Konzeptionierung eines Baumspendenportals beauftragt.
 

Sachverhalt und Stellungnahme: 

Die Sicherung einer nachhaltigen Versorgung der Stadt Moers mit Stadtgrün zählt zu den Kernaufgaben des Fachdienstes Freiraum- und Umweltplanung.Gerade in Zeiten des Klimawandels  hat  sich  die  Verwaltung  dabei  mit  veränderten  Bedingungen  und  Problemlagen auseinanderzusetzen,  die  Einfluss  auf  den  aktuellen  Baumbestand  und  die  Möglichkeiten  der innerstädtischen  Begrünung  haben. Aufgrund Ihres lang-samen Wuchses entfalten Bäume insbesondere ab der Reifephase ihre wesentlichen positiven Leistungen für Stadtklima und urbaner Gesundheit. In der Jugendphase bis Alter 25 binden die Bäume die wesentlichen Kosten für Anwuchssicherung und Jung-baumpflege zur Herstellung des Lichtraumprofils an Straßen. Bäume eignen sich daher ausschließlich als langfristige Bestandteile unseres Stadtbildes, sollten daher fachge-rechte Wurzelbereiche erhalten, die bei fachgerechter Bauweise problemlos mehrere Straßensanierungszyklen schadlos überstehen können. Dem zunehmenden Interesse der Öffentlichkeit an Themen des Klima- und Naturschutzes allgemein und an der kon-kreten Umsetzung der in diesem Kontext von der Verwaltung durchgeführten  Einzel-maßnahmen  soll  im  vorliegenden  Bericht  ‚Stadtbäume  Moers‘  Rechnung getragen werden. Entsprechend informiert der Bericht zum einen über die aktuelle Situation der Stadtbäume in Moers und erläutert zum anderen die sich daraus ergebenden Hand-lungserfordernisse und Lösungsansätze.  Ausgangssituation  Der Baumbestand der Stadt Moers im Bereich der Grünflächen und Straßen (ohne Wälder) beläuft sich aktuell auf ca. 64.000 Einzelbäume. In dieser Zahl enthalten sind die Bäume der städtischen Park- und Grünanlagen, der Spiel- und Bolzplätze, des Straßen-begleitgrüns, der Außenanlagen an städtischen Gebäuden und auf städtischen Liegen-schaften.Der Gesamtbestand wird aktuell über die  ENNI  Stadt  und  Service  im  Rah-men   der   Erstellung   eines   Grünflächeninformationssystems  (GRIS)  erfasst.   Auf  Grund des  zahlenmäßigen  Umfangs  wird  die  Erfassung  aller  Bäume  noch einige Zeit in Anspruch nehmen – derzeit sind ca. 75% des Baumbestandes in das GRIS auf-genommen. Außer den im GRIS erfassten Einzelbäumen wächst eine große Zahl von Bäumen in den 120 ha großen städtischen Waldflächen.Neben  den  prägenden  großen  Parkanlagen  kommt  dem  Straßenbegleitgrün  mit  ca. 15.000 Bäumen ebenfalls eine besondere Bedeutung für das Stadtbild zu. Je nach be-trachtetem Straßenabschnitt vermittelt die straßenbegleitende Baumpflanzung aktuell jedoch zum Teil keinen geschlossenen Eindruck. Dies rührt daher, dass derzeit ca. 700 leere Baumscheiben im Straßenraum  vorhanden  sind und dass das Fehlen  von  einzelnen  Bäumen  in  diesem  ohnehin vegetationsarmen Bereich stärker auffällt, als im grünen Rahmen einer Parkanlage.Entwicklung der letzten Jahre und deren Ursachen  In früheren Jahren wurden jedes Jahr durchschnittlich rund 100 kranke oder abgestor-bene städtische Bäume im Stadtgebiet entfernt. 2019 mussten jedoch ca. 500 städtische Bäume durch ENNI  Stadt  und  Service  beseitigt  werden.  Etwa  die  Hälfte  der  abgestorbenen  Bäume  waren Waldbäume, die im Rahmen von Aufforstungsmaßnahmen ersetzt werden. Der andere Teil der Bäume stand verteilt im Stadtgebiet in Grünanlagen oder im Straßenraum. Die Ursachen für das Absterben dieser Bäume waren z.T. Sturmschäden und das Auftreten der Rußrindenkrankheit an Ahornbäumen. Dieser pilzlich verursachten Krankheit fielen 2019 ca. 170 Exemplare des aktuell ca. 7.400 Stück zählenden Ahorn-Bestands zum Opfer. Die Rußrindenkrankheit ist ein Beispiel für die indirekten Folgen des Klimawandels und dessen Auswirkungen auf Bäume. Die durch Hitze- und Trockenstress geschwächten Bäume sind anfälliger für verschiedene Krankheiten. 
 

Zum überwiegenden Teil, bei ca. 300 Fällen, ist das Absterben jedoch auf direkte oder indirekte Schäden  durch  Trockenheit  zurückzuführen,  die  der  Dürresommer  2019  mit  sich  brachte.  Die Bilanz für das Jahr 2020, bzw. im Hinblick auf die groß-klimatischen Veränderungen auch in den kommenden Jahren, wird vermutlich ähnlich ausfallen.  Die sich bereits abzeichnenden Klimaveränderungen zeigen sich durch längere Tro-ckenperioden,  erhöhte Strahlungsenergie  und unregelmäßige  Verteilung  der  Nieder-schläge im Jahresverlauf. Durch Zunahme der Wetterextreme kommt es vermehrt zu Schäden wie beispielsweise Windbruch, Trockenschäden, Verbrennungen der Rinde und  in  Folge  zu  Befall durch  Schwächeparasiten  wie Pilzkrankheiten  oder  tierische Schädlinge. Verschärfend kommen bei Straßenbäumen noch der eingeschränkte Wur-zelraum, Hitze-Rückstrahlung von befestigten Flächen, Hundeurin und Anfahrschäden hinzu.  Die Zahl der normalen, natürlichen Ausfälle von Bäumen wird in Folge des Klimawan-dels erheblich gesteigert. So belief sich die Zahl der abgestorbenen Straßenbäume im Jahr 2019 auf ca. 110 Stück. Nach Schätzungen von ENNI wird sich diese Ten-denz in den kommenden Jahren wohl fortsetzen, so dass man in Zukunft vermutlich mit ca. 110 bis 120 jährlich zu ersetzenden Bäume alleine im Straßenraum rechnen muss. NEU: Da im Stadtgebiet fast alle Standorte einen natürlichen Grundwasseran-schluss über Kapillarwasseraufstieg ermöglichen, wirkt sich die Trockenheit im Wesentlichen auf die Bäume mit einem massiv vorgeschädigten Wurzelwerk aus. Durch regel-widrige baumschädliche Bauweise, die bei allen Arten von Tiefbaumaßnahmen im gesamten Stadtgebiet zu beobachten sind, werden den Bäumen massive Wurzelabrisse, -Quetschungen und Stauchungen zugefügt, die zu einer Freilegung der Wurzelorgane führt, die ungeschützt durch die Rinde von zahllosen Schädlingen besiedelt und abgebaut werden, so dass sich jeder Stress gleich existenziell auf die Selbsterhaltungsfähigkeit sowie auf die erforderliche Stand- und Bruchsicherheit auswirkt. 

Anders  als  im  Wald  wurde  an  den  anderen  Standorten  in  den  letzten  Jahren  auf  Grund  von beschränkten  finanziellen  und  personellen Kapazitäten  bei  ENNI  Stadt  und  Service  und  dem Fachdienst Freiraum- und Umweltplanung nur sporadisch und nicht bestandserhaltend nachgepflanzt. Die aktuelle ‚Lücke‘ von ca. 700 Bäumen alleine im Straßenraum hat sich über die letzten Jahre entwickelt und würde, ohne Gegensteuerung durch zeitnahe Nachpflanzung, durch die befürchteten künftigen Ausfälle auf Grund des Klimawandels demnächst noch größer werden.

 

Handlungsrahmen für die Zukunft 

Für die Nachpflanzung von abgestorbenen Bäumen gelten bestimmte gesetz-liche Verpflichtungen: So ergibt sich die Notwendigkeit der Ersatzpflanzung für die Wäl-der aus den Pflichten des Landesforstgesetzes und den Grundsätzen der guten Forst-wirtschaft, um die Wälder funktional zu erhalten. In Alleen sind fehlende Bäume gemäß den Vorgaben des Landesnaturschutzgesetzes (Alleenschutz) nach zu pflanzen, ausge-fallene Bäume in Gartendenkmalen sind nach dem Denkmalrecht z.B. auf Grundlage des Parkpflegewerkes, zu ersetzen.  Der Bestand an Bäumen auf Privatgrundstücken, die unter die Regelungen der Baum-schutzsatzung fallen, ist durch die Verpflichtung zur Ersatzpflanzung gesichert. Gemäß den  Regelungen  der  Baumschutzsatzung  ist  die  Fällung  von  Bäumen  mit  einem Stammdurchmesser über 80 cm (gemessen in 1,00 m Höhe) genehmigungspflichtig und muss im Regelfall durch eine Ersatzpflanzung ausgeglichen werden. Ausgenom-men davon sind Nadelbäume und einzelne kurzlebige Arten wie Weiden oder Obst-bäume sowie abgestorbene Bäume, für deren Beseitigung kein Ausgleich erfolgt, so-dass auch hier ein zahlenmäßig steter Verlust zu verzeichnen sein wird. Unabhängig von den genannten gesetzlichen Vorgaben ist es Ziel der Verwaltung, den Bestand an Bäumen auf den eigenen städtischen Flächen durch Nachpflanzungen zu erhalten oder zu erweitern, um die wichtigen ökologischen, klimatischen und stadtbildprägenden Funktionen des Baumbestandes zu sichern.  Aufgaben der Verwaltung und von ENNI Stadt und Service zur Sicherung des Baumbe-standes Nachpflanzung von Straßenbäumen Um die eingangs beschriebenen vermehrten Ausfälle auszugleichen, ist eine konse-quente  Nachpflanzung  der  bereits  ausgefallenen  sowie  der  zukünftig  abgängigen Bäume notwendig.  Für die Haushaltsjahre 2020 und 2021 stehen Finanzmittel (aus den jährlichen Fest-werten von je ca. 52.000 € sowie dem Übertrag von Restmitteln aus 2019) in Höhe von ca. 120.000 € planmäßig zur Verfügung, um in diesen beiden Jahren rund 80 Straßen-bäume zu pflanzen. Die zur Verfügung stehenden Mittel werden an erster Stelle für die Nachpflanzung im Straßenraum eingesetzt, da hier die Verluste besonders signifikant und optisch auffal-lend sind. In einem öffentlichen  Vergabeverfahren  wurde  die  Pflanzung  der  Straßen-bäume  erstmalig   im   Jahr  2020  öffentlich ausgeschrieben und wird bereits seit -Herbst 2020 ausgeführt. Bei den Nachpflanzungen im Straßenraum wird aktuell gestaffelt nach Prioritäten vorgegangen. Das bedeutet, dass zuerst in denjenigen Straßen Bäume nach gepflanzt werden, die am prägendsten für das Stadtbild sind und die größten Lücken im Be-stand aufweisen. Sukzessive müssten  im  Laufe  der  kommenden  Jahre  die  Baum-ausfälle  sämtlicher  Straßen  gesichtet  und entsprechend den jeweiligen Möglichkeiten Ersatzpflanzungen vorgenommen werden.  Um den im Juli 2020 bei der Bestandsaufnahme ermittelten Fehlbestand von mittler-weile ca. 700 Bäumen im Straßenraum auszugleichen, müssten insgesamt Mittel in Höhe von schätzungsweise 1.050.000 € aufgebracht werden. Grundlage dieser Schät-zung ist der aktuelle Preis in Höhe von ca. 1.500 €, der für die Pflanzung eines Stra-ßenbaumes inklusive der notwendigen dreijährigen Entwicklungspflege  durchschnitt-lich  zu  bezahlen  ist.  Da  wie  oben  beschrieben  der  Fachdienst Freiraum- und Um-weltplanung bereits begonnen hat, die vorhandenen Lücken im Straßenraum wieder zu bepflanzen und in den Jahren 2020/21 auf Basis der vorhandenen Festwerte ca. 80 Bäume pflanzt, reduziert sich die Menge der vorhandenen leeren Baumscheiben im Straßenraum nach 2021 somit  auf  ca.  620 Stück.  Für die Ersatzpflanzungen  von Straßenbäumen  in  diesen  Lücken müsste ab 2022 somit eineSumme in Höhe -von ca. 930.000 € aufgebracht werden.  Eine  derart  umfangreiche  Nachpflanzung  muss sich,  um  sie  auch personell  in  der Abwicklung bewältigen zu können, über mehrere Jahre verteilen. Teilt man die gesamte zu ersetzende Menge an Bäumen auf fünf Jahre auf, könnten jährlich 124 Bäume ge-pflanzt werden – vorausgesetzt die Finanzmittel pro Jahr in Höhe von 186.000 € sowie die erforderlichen Personalkapazitäten werden zur Verfügung gestellt.  Zukünftige Ausfälle sind in dieser Summe noch nicht enthalten und ebenfalls in der Budgetplanung zu berücksichtigen. Bei voraussichtlich gleichem künftigen Verlustgrad an Bäumen wird das Missverhältnis  zwischen  der  durch  die  bisherigen  Finanzmittel  in  Höhe  von  jährlich  52.000  € möglichen Nachpflanzungsmenge von durchschnittlich 35 Bäumen und der Verlustmenge ansonsten immer größer ausfallen. Bildhaft kann man sich eine Schere vorstellen, die sich zwischen den Ersatzpflanzungen und Baumverlus-ten immer weiter öffnet– siehe Anlage 1.

Es bedarf also kurzfristig einer erhöhten Anstrengung, die bisherigen Verluste auszu-gleichen und dem  Entstehen  erneuter  Lücken  im  Bestand  durch  zukünftig  kontinu-ierliche  Ersatzpflanzungen vorzubeugen.  Sollten die vermehrten Ausfälle von Bäumen zukünftig wie geschätzt im Straßenbegleit-grün bei ca. 120 Stück pro Jahr liegen, müsste für die Ersatzpflanzungen eine deutlich höhere Summe angesetzt werden, als dies aktuell der Fall ist. Bei Kosten pro Baum-standort im Straßenraum in Höhe von ca. 1.500 € für die Pflanzung und die dreijährige Gewährleistungspflege wären Mittel in Höhe von schätzungsweise 180.000 € pro Jahr für künftige Ersatzpflanzungen notwendig. Neben den Mitteln in Höhe von ca. 52.000 € aus dem Festwert ‚Straßenbäume‘, die dafür jährlich zur Verfügung stehen, werden also zusätzliche Mittel in Höhe von ca.128.000 € pro Jahr benötigt.  Mit diesen Mitteln wäre dann der jährliche Verlust an Straßenbäumen voraussichtlich auszugleichen,  das heißt  der Status quo zu erhalten.  Eine Steigerung  des Baum-bestandes ist damit jedoch nicht zu erreichen.  Um eine Mehrung des Baumbestandes im Stadtgebiet Moers neben der beschriebenen Wiederherstellung des Status quo im Straßenbaumbestand beispielsweise auch in den Grün- und Parkanalagen zu erzielen, sind weitere Anstrengungen vonnöten. So schlägt die Verwaltung bezugnehmend auf den Maßnahmenplan Klimanotstand vor, durch die Finanzmittelanmeldung im Haushalt  von  jährlich  300.000 €  für die  Pflanzung  von  200  neuen  Bäumen  den  Baumbestand sukzessive in den nächsten Jahren aufzusto-cken.  Noch  einmal  zusammengefasst  heißt  dies,  dass  für  die  Nachpflanzungen  in  beste-henden  und unterjährig neu entstehenden Lücken im Straßenraum sowie für die ange-dachten Neupflanzungen als Maßnahme aus dem ‚Maßnahmenplan Klimanotstand‘ in den nächsten 5 Jahren insgesamt ca. 444 Bäume jährlich zu pflanzen wären. Sind die Lücken im  Straßenbaumbestand nach diesen Pflanzmaßnahmen geschlossen, sind in den Folgejahren ca. 320 Bäume jährlich für die unterjährigen Ausfälle und die Bestandserweiterung zu pflanzen. Dabei darf nicht übersehen werden, dass außer den hierfür aufzubringenden Finanzmitteln auch die Abwicklung der Maßnahmen durch per-sonelle Kapazitäten sicherzustellen ist.  Für die detaillierte Planung der Pflanzmaßnahmen sowie für die Bauleitung während der Pflanzung und der folgenden dreijährigen Entwicklungspflege würden personelle Ka-pazitäten in größerem Umfang als bisher benötigt. Der zeitliche Aufwand hierfür ist schwer genau abzuschätzen und unter anderem abhängig von der Qualität des aus-führenden Unternehmens und dem damit verbundenen Kontrollaufwand. Bisher war und ist diese Mammutaufgabe durch die Mitarbeitenden des Fachdienstes Freiraum- und Umweltplanung und der ENNI Stadt und Service als zusätzliche Aufgabe  neben  dem  normalen  Tagesgeschäft  nicht  leistbar.  In  Anlage  2  wird  näher  auf  den fach-lichen Anspruch und die mögliche Organisation einer kontinuierlichen Nachpflanzung eingegangen.  Zur Bewältigung der umfangreichen Aufgabe ist die Schaffung einer zusätzlichen Stelle mit einem Stellenanteil von schätzungsweise 0,5 für Baumpflanzungen im Bereich der Verwaltung nötig. Wie in Anlage 2 beschrieben, liegt die Verantwortung für die konzep-tionelle Planung mit der Vorgabe bestimmter stadtgestalterischer und ökologischer Kri-terien bei der Verwaltung. Das operative Geschäft der Baumpflanzungen mitsamt der dafür notwendigen Ausführungsplanung könnte durch ENNI erbracht werden. In welcher Form dies genau zu organisieren ist, muss unter Berücksichtigung des Kooperations-vertrags geprüft werden. Denkbar wäre evtl. eine Anpassung des Kooperationsver-trags dahingehend, dass die kontinuierliche Nachpflanzung von abgängigen Bäumen  Teil  der  durch  ENNI  vertragsgemäß  vereinbarten  regulären  Unterhaltung  wird  – was durch die Mehrung der durch ENNI zu erbringenden Leistungen eine Erhöhung der Zuweisung nach sich ziehen würde. Unter der Voraussetzung, dass die Baum-pflanzungen im beschriebenen Umfang politisch beschlossen werden, wird sich in Abstimmung mit ENNI eine einvernehmliche Lösung finden, wie die zahlenmäßige Steigerung der Baumpflanzungen pro Jahr am effektivsten zu bewältigen ist. 
 

 

2. Auswahl geeigneter Baumarten  Vor dem Hintergrund des bereits stattfindenden Klimawandels stellt sich die Frage, wie Park- und Stadtbäume, die schon jetzt teilweise extremen Bedingungen ausgesetzt sind, mit weiteren Verschlechterungen ihrer Standortbedingungen zurechtkommen werden.  Der wachsenden Bedeutung von Bäumen im urbanen Bereich steht daher nunmehr ihre zunehmende Gefährdung durch Witterungsextreme und hier insbesondere sommerliche Hitze-  und  Dürreperioden  sowie  Krankheiten gegenüber.  Es gilt  also  Baumarten für Neupflanzungen auszuwählen, die mit den künftigen Klimabedingungen zurechtkom-men. Aufgrund der breiten Streuung der klimatischen Verhältnisse und der individuellen Standortverhältnisse für den einzelnen Stadtbaum kann bei der Artenauswahl keine Pa-tentlösung herangezogen werden. Den (einzigen) richtigen Baum gibt es nicht. Vielmehr sind aus der Vielzahl der Möglichkeiten unter Berücksichtigung persönlicher Erfahrung mit den Gegebenheiten vor Ort Arten auszuwählen, die eine Eignung für die sich wan-delnden Ansprüche erwarten lassen. Als Kriterien bei der Baumartenauswahl sind ne-ben den auf Grund des Klimawandels steigenden Temperaturen, den geringeren Nie-derschlägen, der Frosthärte und den artentypischen zu erwartenden Baumkrankheiten auch weitere Aspekte zu beachten. So können mit dem Einsatz bestimmter Baum-arten eventuell Beeinträchtigungen für den Menschen verbunden sein, die einer Ver-wendung im städtischen Bereich entgegenstehen. Beispielsweise birgt das mögliche Auftreten des Eichenprozessionsspinners ein gesundheitliches Risiko bei der Verwen-dung von Eichen oder andere unangenehme Eigenschaften schränken den Einsatz einer bestimmten Baumart ein, wie dies z.B. bei der Geruchsbelästigung durch Bildung stinkender Früchte an Ginkgo der Fall ist. Ein  gutes  Hilfsmittel  für  die  Auswahl  stadt-klimageeigneter  Baumarten  ist  die  Klimaartenmatrix (KLAM-Stadt) der TU Dresden. Darin werden wichtige Gehölzarten nach ihrer Eignung für eine Verwendung im Stadt-bereich bei prognostiziertem Klimawandel eingestuft. Berücksichtigung finden in der Be-wertung dabei insbesondere die Kategorien Trockentoleranz und Frosthärte. Auch die sogenannte GALK-Straßenbaumliste, eine durch den Arbeitskreis Stadtbäume der Deut-schen Gartenamtsleiterkonferenz e.V. (GALK) ständig fortgeschriebene Liste, in der sich die Erfahrungen aus der Verwendung von Stadtbäumen niederschlägt, ist eine wertvolle Grundlage bei der Auswahl stadtklimaverträglicher Gehölze. Die Erkenntnisse aus Testpflanzungen in mehreren Städten im gesamten Bundesgebiet fließen seit deren ersten Vorstellung1976 fortlaufend in diese Liste ein.  Wo heimische Arten versagen oder nur eingeschränkt tauglich sind, stellen Züchtun-gen und nicht heimische  Arten aus  semiariden  (halbtrockenen) Gebieten wie  etwa  dem  Mittelmeerraum die bessere Alternative dar, da sie auf Grund ihrer natürlichen Lebensbedingungen an Phasen der Trockenheit angepasst sind. Eine Sicherheit, dass die gewählte Baumart sich künftig bewährt, gibt es letztendlich jedoch nicht. Der Pool an Schädlingen und Krankheiten ist sehr umfangreich und die tatsächliche Entwicklung des Klimas nicht exakt vorherzusagen, so dass sich auch in Zukunft nicht alle Beein-trächtigungen für die gesunde Entwicklung der neu gepflanzten Bäume vermeiden las-sen werden. Um größeren Ausfällen vorzubeugen, ist es daher angeraten, die Auswahl der Gehölze breit zu streuen und sich nicht nur aufwendige Arten zu beschränken. Die Vielfalt der Pflanzung sichert das Überleben des Stadtbaumbestandes und bereichert die Biodiversität und die Darbietung von unterschiedlichen Lebensräumen für die heimi-sche Tierwelt. 
 

Grundsätzlich sollten ortsspezifisch angepasst, möglichst große leistungsfähige Baum-arten ausgewählt werden. Korrespondierend zum Begrünungsziel ist auch der erweiterte Wurzelraum vegetationstechnisch fachgerecht herzustellen und dauerhaft zu erhalten. Folgende Tabelle (s. Handlungsleitfaden BaumAdapt Stadt Essen, TU Dortmund, 2020) gibt hier eine Größenordnung, die im Rahmen aller Tiefbaumaßnahmen im Standraum von Bäumen verbindlich erhalten bzw. wiederhergestellt werden muss.

 

3. Entwicklung von Konzepten für Baumpflanzungenbei eingeschränktem Wurzelraum

Eine wesentliche Grundlage für die gesunde Entwicklung von Bäumen jeglicher Art ist ein Standort mit ausreichendem Wurzelraum. Im innerstädtischen Raum, vor allem im versiegelten Straßenraum, ist daher eine entsprechende Dimensionierung der Baum-grube und ein strukturstabiler und gut durchwurzelbarer Boden bzw. ein spezielles Pflanzsubstrat unabdingbar. Gemäß DIN 18916 ‚Vegetationstechnik im Landschafts-bau – Pflanzen und Pflanzarbeiten‘ muss an Standorten, deren Durchwurzelungsbe-reich begrenzt ist (z.B. in Plätzen oder an Straßen) die offene Fläche bei Baumpflan-zungen daher eine Mindestgröße von 6 m² bieten. Der durchwurzelbare Raum sollte eine Grundfläche von mindestens 16 m² und eine Tiefe von mindestens 80 cm haben. Dies deckt sich in etwa mit der fachlichen Empfehlung der FLL (Forschungsgesellschaft Landschaftsentwicklung  Landschaftsbau  e.V.),  wonach  eine  Baumgrube  mindes-tens 12 m³ groß sein sollte.  In Anlage 3 wird detailliert auf die Ansprüche von Bäumen im innerstädtischen Bereich, insbesondere mit der Problematik des eingeschränkten Wurzelraums im Straßenbegleit-grün eingegangen. Da im Moerser Verkehrsraum auf Grund räumlicher Einschränkungen vergangener Stra-ßenplanungen  meist  keine  derart  dimensionierten  Baumstandorte  zu  realisieren sind, muss eine  Lösung  gefunden  werden,  wie  dennoch eine  straßenbegleitende  Begrünung  mit  Bäumen durchführbar ist.  In Anlage 3 werden verschiedene Varianten beleuchtet, wie mit problematischen Standorten im Straßenraum umgegangen werden kann. Das Resümee aus den erläu-terten Handlungsoptionen formuliert der Fachdienst Freiraum- und Umweltplanung kurz folgendermaßen: In erster Linie wird natürlich versucht, Bäumen optimale Bedin-gungen zu bieten, was hauptsächlich bei Neubaumaßnahmen möglich sein wird. Dies bedeutet die Schaffung DIN- gerechter Baumscheiben mit einem Volumen von mindes-tens 12 m³ vorzugsweise innerhalb durchgängiger Grünstreifen an Stelle von Einzel-